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Automatischer Test oder Prüfung durch Fachleute? Was beide finden

Automatische Tests finden häufige Probleme schnell, den Rest müssen Menschen beurteilen. Was beide finden, wie Sie sie kombinieren und was eine Prüfung kostet.

Lesezeit: 10 Min.

Sie haben einen automatischen Barrierefreiheitstest laufen lassen, alles behoben, was er gemeldet hat, und der Bericht zeigt keine Probleme mehr. Ist Ihre Website damit barrierefrei? Wahrscheinlich nicht ganz. Automatische Tests sind schnell, kostenlos oder günstig und sehr gut darin, die häufigsten Probleme zu finden. Doch ein großer Teil dessen, was eine Website für Menschen mit Behinderungen nutzbar macht, hängt von Bedeutung und Zusammenhang ab, und das kann Software nicht beurteilen. Dieser Artikel erklärt, was automatische Tests finden und was nicht, wie Sie sie mit ein paar einfachen eigenen Tests kombinieren und wann sich eine vollständige Prüfung durch Fachleute lohnt.

Was die Zahlen sagen

Das W3C, das Gremium hinter den Webstandards, sagt es in seinen Hinweisen zur Auswahl von Prüfwerkzeugen klar: Werkzeuge können nicht feststellen, ob eine Website barrierefrei ist, sie können nur dabei helfen. Mehrere Studien zeigen, wo die Grenze liegt.

  • Die Studie von Deque (2021). Deque, ein Hersteller von Prüfwerkzeugen für Barrierefreiheit, hat mehr als 2.000 Prüfungen mit über 13.000 Seiten und fast 300.000 Problemen ausgewertet. Im Schnitt wurden 57 % der Probleme von automatischen Tests gefunden. Diese Probleme betrafen aber nur 16 der 50 Kriterien der WCAG 2.1 in Stufe AA. Der automatische Anteil ist hoch, weil einige häufige Probleme, vor allem zu geringer Kontrast, sehr oft vorkommen.
  • Das Experiment der britischen Regierung (2017). Der Government Digital Service baute eine absichtlich schlechte Seite mit 142 bekannten Barrieren und ließ 13 automatische Werkzeuge darauf los. Das beste Werkzeug fand 40 %, das schwächste nur 13 %. Die Werkzeuge sind seither besser geworden, aber viele Barrieren auf dieser Seite kann Software schlicht nicht erkennen.
  • Die Sicht der niederländischen Regierung. DigiToegankelijk, das Barrierefreiheitsprogramm der niederländischen Regierung, schreibt, dass mehr als 80 % der Pflichtanforderungen von einem Menschen geprüft werden müssen und dass die Ergebnisse eines automatischen Werkzeugs allein nie für die gesetzlichen Pflichten reichen.

Diese Zahlen messen Verschiedenes und widersprechen sich daher nicht. Nach Anzahl der Probleme finden automatische Tests grob ein Drittel bis die Hälfte. Nach WCAG-Kriterien gezählt (den 50 prüfbaren Regeln der Richtlinien für barrierefreie Webinhalte) lässt sich nur eine Minderheit vollständig per Software testen. Beides führt zum selben Rat: Beginnen Sie mit einem automatischen Test und lassen Sie danach Menschen den Rest prüfen.

Was automatische Tests zuverlässig finden

Manche Probleme sind eine Frage von Messen oder Vorhandensein: Ein Wert ist zu niedrig, oder etwas fehlt. Darin ist Software hervorragend, und sie wird auch auf Seite 150 nicht müde.

  • Zu geringer Kontrast. Text, der sich zu wenig vom Hintergrund abhebt. Ein Werkzeug berechnet das Kontrastverhältnis genau. Siehe die Anleitung zum Farbkontrast.
  • Fehlende Bildbeschreibungen. Ein Bild ohne Alternativtext, die kurze schriftliche Beschreibung, die Screenreader (Software, die den Bildschirminhalt vorliest) vorlesen. Siehe Bildbeschreibungen.
  • Formularfelder ohne Beschriftung. Ein Feld, bei dem nichts der Hilfssoftware sagt, was einzugeben ist. Siehe Beschriftungen von Formularfeldern.
  • Leere Links und Schaltflächen. Ein Link oder eine Schaltfläche nur mit Symbol und ohne Namen, die ein Screenreader nur als „Link“ oder „Schaltfläche“ ansagt. Siehe Linknamen und Namen von Schaltflächen.
  • Fehlende Seitensprache. Ohne sie liest ein Screenreader deutschen Text womöglich mit englischer Aussprache vor. Siehe Seitensprache.
  • Fehlende Seitentitel und übersprungene Überschriftenebenen, die die Orientierung auf einer Seite erschweren.

Das sind auch die Probleme, die auf echten Websites am häufigsten vorkommen. WebAIM findet in seiner jährlichen Analyse von einer Million Startseiten jedes Jahr dieselbe Handvoll an der Spitze. Deshalb ist ein automatischer Test ein so guter erster Schritt: Er räumt schnell den größten Teil ab.

Was nur Menschen beurteilen können

Die andere Hälfte betrifft Bedeutung, Verhalten und Erleben. Ein Werkzeug sieht, dass etwas vorhanden ist, aber nicht, ob es sinnvoll ist.

  • Ob eine Bildbeschreibung stimmt. Ein Werkzeug sieht, dass ein Bild einen Alternativtext hat. Es sieht nicht, dass der Text ein Dateiname ist oder dass er ein Diagramm beschreibt, ohne zu sagen, was es zeigt.
  • Ob die Reihenfolge sinnvoll ist. Inhalte können auf dem Bildschirm logisch wirken, während ein Screenreader oder die Tabulatortaste sie in einer verwirrenden Reihenfolge durchläuft.
  • Tastaturfallen in selbst gebauten Bedienteilen. Ein eigener Datumswähler, ein Chatfenster oder ein Pop-up kann den Tastaturfokus einfangen und nicht wieder freigeben. Das zeigt nur das Drücken der Tasten.
  • Ob Linktexte und Überschriften verständlich sind. Ein Werkzeug kann „hier klicken“ melden, aber nicht beurteilen, ob „Unser Ansatz“ sagt, wohin ein Link führt.
  • Klare Sprache und verständliche Fehlermeldungen. „Fehler 422“ besteht jeden automatischen Test.
  • Ob Untertitel stimmen. Ein Video mit automatischen Untertiteln besteht, auch wenn aus „Aachen“ plötzlich „machen“ wird.

Ein typischer Fall. Beide Bilder unten bestehen einen automatischen Test, weil beide einen Alternativtext haben:

<!-- Besteht den automatischen Test, sagt aber niemandem etwas -->
<img src="IMG_2041.jpg" alt="IMG_2041.jpg" />

<!-- Besteht ebenfalls und hilft wirklich -->
<img src="IMG_2041.jpg" alt="Rollstuhlrampe am Seiteneingang des Rathauses" />

Nur ein Mensch weiß, was das Foto zeigt und warum es auf der Seite steht.

So kombinieren Sie beides: eine Routine in vier Schritten

Sie müssen sich nicht zwischen automatischem Test und Prüfung durch Fachleute entscheiden. Beides wirkt am besten nacheinander, und jeder Schritt macht den nächsten günstiger.

  1. Lassen Sie einen automatischen Test laufen auf Ihren wichtigsten Seiten: Startseite, Kontakt, Ihr wichtigstes Formular, Ihr Bestell- oder Buchungsablauf.
  2. Beheben Sie, was er findet, zuerst die Probleme, die Menschen ausschließen. Erst die gemeinsamen Vorlagen, damit eine Korrektur viele Seiten repariert. Dann erneut prüfen.
  3. Machen Sie die schnellen manuellen Tests unten. Sie dauern weniger als eine Stunde und brauchen keine besondere Software.
  4. Beauftragen Sie eine Prüfung durch Fachleute, wenn viel auf dem Spiel steht.

Schnelle Tests, die alle machen können

  • Tastatur. Legen Sie die Maus weg und nutzen Sie nur Tab, Umschalt+Tab, Enter, Leertaste, Pfeiltasten und Escape. Erreichen Sie alles, sehen Sie, wo Sie sind, und können Sie Ihre wichtigste Aufgabe abschließen? Unser 10-Minuten-Tastaturtest führt Sie Schritt für Schritt hindurch.
  • Zoom auf 200 %. Drücken Sie Strg und + (Cmd und + auf dem Mac), bis der Browser 200 % anzeigt. Ist aller Text noch lesbar, ohne abgeschnittene oder überlappende Stellen? Probieren Sie dann ein Fenster so schmal wie ein Handy: Funktioniert die Seite noch ohne seitliches Scrollen?
  • Grundlagen eines Screenreaders. Nutzen Sie das kostenlose NVDA unter Windows oder das eingebaute VoiceOver auf Mac oder iPhone. Sie müssen es nicht beherrschen. Hören Sie den Anfang der Seite, springen Sie von Überschrift zu Überschrift und füllen Sie ein Formular aus. Ergeben die Überschriften ein Inhaltsverzeichnis? Sagt jedes Feld, wofür es da ist?
  • Laut vorlesen. Lesen Sie Ihre wichtigste Seite, als wären Sie neu. Sind die Sätze kurz und die Wörter vertraut? Verstehen sich die Linktexte auch für sich allein?

Wann Sie eine Prüfung durch Fachleute brauchen

Eine Prüfung ist eine systematische Bewertung aller Kriterien durch Fachleute auf einer repräsentativen Auswahl von Seiten, meist mit einem Bericht, der jedes Problem und seine Lösung erklärt. Sie brauchen wahrscheinlich eine, wenn

  • Sie eine öffentliche Stelle sind. Ihre Erklärung zur Barrierefreiheit muss auf einer tatsächlichen Bewertung beruhen, so verlangt es etwa die BITV 2.0. Unser Artikel über barrierefreie Websites öffentlicher Stellen erklärt die Regeln je Land.
  • Sie einen großen Onlineshop oder Buchungsdienst betreiben, der unter das BFSG fällt, besonders mit komplexem Bestellablauf oder Kundenkonto.
  • Sie ein Prüfzeichen möchten, das Besuchern zeigt, dass eine unabhängige Stelle die Website geprüft hat.
  • Sie einen Relaunch planen oder eine neue Plattform, auf der viele Websites laufen sollen.
  • Menschen immer wieder Probleme melden, die Sie selbst nicht finden.

Für ein kleines Unternehmen mit einer einfachen Informationswebsite bringen ein automatischer Test, die manuellen Tests und etwas Sorgfalt bei den Inhalten oft schon den größten Teil des Weges.

Was eine Prüfung kostet und wie Sie Prüfende auswählen

Der Preis hängt vor allem von der Zahl unterschiedlicher Seitentypen und von der Komplexität ab. Zwei Organisationen veröffentlichen Richtpreise:

  • Der BIK BITV-Test, betrieben von DIAS und angewendet von einem Verbund qualifizierter Prüfstellen, setzt sich aus einem Sockelbetrag und einem indikativen Seitenpreis zusammen: 420 Euro für einfache Seiten, 630 Euro für umfangreichere und 840 Euro für komplexe Seiten. Komplexe Webanwendungen werden nach Aufwand berechnet. Ein Test dauert in der Regel vier bis sechs Wochen, und das Ergebnis kann mit einem Prüfzeichen veröffentlicht werden.
  • AnySurfer in Belgien, ein Projekt der Blindenhilfsorganisation Licht en Liefde, nennt Prüfpreise (Seite auf Niederländisch) von 1.250 Euro für eine kleine, 2.500 Euro für eine mittlere und 4.000 Euro für eine komplexe Website, ohne Mehrwertsteuer, mit günstigeren Folgeprüfungen. AnySurfer vergibt auch ein Label, das höchstens zwei Jahre gilt.

In den Niederlanden prüfen Organisationen wie Stichting Accessibility nach WCAG-EM, in Frankreich folgen Prüfungen der RGAA-Methode.

Fragen Sie beim Vergleich von Angeboten:

  1. Nach welchem Verfahren prüfen Sie (BITV-Test, EN 301 549, WCAG-EM oder RGAA), und nach welcher WCAG-Version und Stufe?
  2. Wie wählen Sie die Seiten aus, und sind Formulare, PDFs und Seiten hinter einem Login dabei?
  3. Testen Menschen mit Tastatur und Screenreader, oder sind es vor allem Werkzeugergebnisse?
  4. Erklärt der Bericht jedes Problem mit einem Beispiel und einer Lösung?
  5. Ist ein Nachtest enthalten, und zu welchem Preis?

Seien Sie vorsichtig bei Angeboten für eine schnelle Lösung per Overlay, einem Werkzeugleisten-Widget, das in die Seite eingebaut wird. Overlays beheben die eigentlichen Probleme nicht.

So bereiten Sie sich vor, damit die Prüfung weniger kostet

Prüfende werden für ihre Zeit bezahlt. Jede Minute für Probleme, die Sie selbst hätten finden können, fehlt für die schwierigen Fragen.

  • Beheben Sie zuerst die Ergebnisse des automatischen Tests. Kontrast, Alternativtexte und Beschriftungen findet ein Werkzeug billig, und es ist teuer, sie von Fachleuten dokumentieren zu lassen.
  • Reparieren Sie gemeinsame Vorlagen und Komponenten vor der Prüfung, nicht Seite für Seite danach.
  • Erstellen Sie eine Liste der Seitentypen und Kernaufgaben, etwa „Antrag stellen“ oder „Rechnung bezahlen“, damit die Auswahl abdeckt, worauf es ankommt.
  • Richten Sie Testzugänge ein und klären Sie den Zugriff auf Seiten hinter einem Login im Voraus.
  • Fragen Sie Ihren Plattformanbieter nach seinem eigenen Prüfbericht. Die niederländische Regierung empfiehlt, Technik und Inhalte getrennt prüfen zu lassen, damit die Plattform nur einmal geprüft wird.
  • Benennen Sie eine Ansprechperson, die Fragen der Prüfenden schnell beantworten kann.
  • Planen Sie Zeit und Budget für Korrekturen und Nachtest ein. Eine Prüfung ohne Umsetzung erzeugt vor allem ein Dokument.

Beginnen Sie mit einem automatischen Test

Prüfen Sie eine Seite kostenlos mit ibin, um zuerst die häufigen Probleme abzuräumen. Der Bericht erklärt jedes Problem in verständlicher Sprache, zeigt mit einer Nahaufnahme, wo es liegt, und verlinkt eine Reparaturanleitung. Der optionale zweite Blick durch KI weist auf Bildbeschreibungen, Linktexte und Tastaturbedienung hin, die einen genaueren Blick verdienen, als Hinweise, die ein Mensch beurteilt. Machen Sie danach die manuellen Tests, und holen Sie Fachleute dazu, wenn Sie Gewissheit brauchen.

Sehen Sie, wie Ihre Website abschneidet

Prüfen Sie kostenlos eine Seite, ohne Konto. Sie erhalten eine klare Liste, was zuerst zu beheben ist, mit Bildern, wo jedes Problem liegt.

Zum Beispiel ihrshop.de. Die Prüfung einer Seite dauert etwa 20 Sekunden und ist kostenlos.

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